Mode sprengt Mieder - Silhouettenwechsel


Mode sprengt Mieder - Silhouettenwechsel

Ausstellung im Münchner Stadtmuseum bis 16. Mai 2010

Die Mode ist durch ihre Sprengkraft für das Phänomen von zahlreichen Silhouetten verantwortlich. Das Schnürmieder fungiert durch sein Gerüst als Hilfsmittel der Mode, die weiblichen Silhouetten zu verwandeln und zu modellieren. Das Korsett formt, betont und prägt den Frauenkörper und das Verhalten. Das Mieder spielt trotz seiner Ambivalenz, trotz treuer Anhängerinnen und vehementer Gegnerinnen Jahrhunderte lang eine Hauptrolle auf dem gesellschaftlichen Parkett der Damenmode. Spannend sind daher auch die Zeiten, in denen sich die Damenmode tatsächlich von der Schnürung befreit.

In der Ausstellung werden in mehreren Stationen verschiedene Moden gegenübergestellt, die jeweils einen extremen Silhouettenwechsel zur Folge hatten. Das Münchner Stadtmuseum zeigt eine bunte und breit gefächerte Schau, welche die Sinnlichkeit von Mode in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert mit zahlreichen originalen Damenkleidern, Schnürmiedern, Korsetts, Modekupfern, Modefotografien, Gemälden, Plakaten sowie Puppen.

1. Station: Schnürmieder im Rokoko (1770 - 1785)
Die Damenmode treibt in dieser Zeit üppige Blüten, indem die barocke Silhouette durch Schnürmieder und Reifrock hervorgerufen wird. Das beträchtliche Gewicht der Kleider und die Steifheit des Fischbeinstäbchen-Stützwerks prägen Haltung und Gestik der Frau. Das Schnürmieder ist vor allem ein pädagogisches Werkzeug in Sachen Anstand und Haltung, ein Vormund des Körpers. Gegen die Schnürleiber gibt es von Seiten der Ärzte und Philosophen (Rousseau) jedoch teils heftige Kritik. Durch die französische Revolution wird das Modediktat des Ancien Regime schließlich gestürzt.

2. Station: Die luftigen Chemisenkleider des Directoire und Empire (1790 - 1810)
Bereits um 1780 kommt aus England der Anstoß zu einer bürgerlichen Mode, die den Reifrock, das Korsett und das gepuderte Haar allmählich ablösen soll. Auch die französischen Umstürzler von 1789 sehen in der an die Antike angelehnten Mode ihre freiheitlichen Ideale verwirklicht. Das wahrhaft revolutionäre aber ist das Fehlen der Schnürmieder und Korsetts; hat man doch in der französischen Mode seit über 200 Jahren nicht auf diese unbequemen und Figur beherrschenden Körperstützen verzichten können. Diese plötzliche Liberalisierung der Damenkleidung stößt im gesellschaftlichen Kontext oftmals auf heftige Ablehnung. Die Beseitigung der entstellenden Gerüste wie Reifrock und Korsett öffne der Unmoral Tür und Tor, so lautet die Sorge der Gesellschaft. Um 1815 kommen die Chemisenkleider im Stil der Antike endgültig aus der Mode.

6. Station: Schick und schlank im Sechziger Jahre Look (1960 - 1968)
Die Sechziger stehen im Zeichen der Jugend, die sich ihrer selbst bewusst wird: Frechheit, Spott und Freiheit heißt das Motto! Bereits Ende der Fünfziger Jahre entwirft die Engländerin Mary Quant ein kurzes Hemdkleidchen in Sack-Linie, das in krasser Ablehnung zur Wespentaille steht. Es geht um den neuen selbstbewussten Frauentypus, der das Leben selbst bestimmt, die Freiheiten auslebt und der Berufstätigkeit nachgeht. Kleidung soll funktional und bequem, darf aber auch verspielt und Aufsehen erregend sein. André Courrèges ist es, der den Minirock in die Haute Couture einführt. Durch eine Mischung aus Weltraum-Look und Op-Art-Mode kreiert er seinen unvergleichlichen Stil. Die neuen Stoffe aus Chemiefasern bieten viele neue Möglichkeiten, den im Trend liegenden futuristischen und synthetischen Stil des Minimalismus in der Mode zu verwirklichen. 1964 landet ein bis dahin völlig unbekanntes Gesicht mit blondem Bubikopf auf dem Titel eines Modemagazins. Das Bild des spindeldünnen Mädchens macht weltweit Furore. Mit schlaksigen, langen Gliedern und kindlich naivem Gesichtsausdruck präsentiert sie den neuen Look der Sechziger Jahre in perfekter Weise. Eine kritische Entwicklung in Sachen extrem schlanker Vorbilder bleibt nicht aus, denn die normale Durchschnittsfrau kann bei Twiggys Maßen unmöglich mithalten. Durch die Ablegung des Korsetts wird das Schlankheitsdiktat demnach keineswegs reduziert, sondern bleibt Schönheitsideal.

Ausblick 2010
Wie geht die Mode heutzutage mit den Körperformen um: wo nimmt sie etwas weg, wo fügt sie etwas hinzu, wo engt sie ein, wo lässt sie locker? Das Thema Schnürung übt nach wie vor eine Faszination auf die Modemacher und das Publikum aus und kehrt regelmäßig auf die Laufstege und in die Modejournale zurück. Zweifellos dominiert nicht nur eine einzelne Modesilhouette den Bekleidungsmarkt, denn den Kombinationsmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Erlaubt ist was gefällt! Der Ausblick 2010 wird gestaltet und umgesetzt von der Deutschen Meisterschule für Mode München.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
montags geschlossen.

Quelle: Münchner Stadtmuseum
Foto: © Münchner Stadtmuseum

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4,00 EUR / 2,00 EUR (ermäßigt)
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