Non plus ultra! - Circus. Kunst. München
Ausstellung im Münchner Stadtmuseum bis 21. März 2010
Das Maß der Manege mit 13 Metern Durchmesser ergibt sich aus den Galoppsprüngen eines mittelgroßen Pferdes. Das Pferd muss im Takt bleiben, damit die Kunstreiterin ihre Kunst- Productionen elegant vorführen kann. Innerhalb dieses Rahmens, dessen Maß sich bis heute international durchgesetzt hat, zeigen Artisten, Dompteure und Clowns ihre circensische Kunst. Angekündigt auf Werbezetteln und Plakaten seit über 200 Jahren als 'Non plus ultra!' versuchen die Künstler der Manege immer wieder neue Höhepunkte zu erreichen.
Wir haben München als kulturgeographischen Ort gewählt, um uns in der Weite der Thematik nicht zu verlieren. Von hier aus erschließen sich die international agierenden Circusunternehmen des 19. Jahrhunderts. Ciniselli aus Petersburg, Sidoli aus Bukarest, Renz aus Berlin, Sarrasani aus Dresden, Knie aus der Schweiz und Barnum & Bailey aus New York kommen nach München, weil die Circusdirektoren wissen, dass hier ausverkaufte Vorstellungen möglich sind.
1919 schlägt der Circus Krone in München sein festes Winterquartier auf. Carl und Ida Krone erwerben den Platz an der Marsstraße und errichten ein Circusgebäude mit über 3000 Plätzen und Stallungen für ihre Tiere. 2009 jährt sich ihre Entscheidung für München. 90 Jahre Circus Krone: Auch das ist ein Anlass für diese Ausstellung und Publikation.
Der moderne Circus entsteht gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Die Schau-lust, die über Jahrhunderte auf den Jahrmärkten von herumziehenden Gauklern bedient wird, bringt unternehmungslustige Schausteller dazu, Equilibristen und Kraftakrobaten, Kunstreiter und Dompteure innerhalb eines Programms und unter einem Dach auftreten zu lassen. Aus den Kenntnissen ehemaliger Bereiter und ehemaliger Menageriebetreiber sowie aus der Erfahrung der Pantomimen des komischen Fachs heraus entstehen unter dem Circuszelt die klassischen Disziplinen der Kunst in der Manege: Equitation, Akrobatik, Tierp2907ädagogik und Clownerie. Anhand ausgewählter Bilddokumente wird diese circensische Entwicklung in der Ausstellung angedeutet.
Die 'Kunst-Productionen', ein im Circus des 19. Jahrhunderts allgemein üblicher Terminus technicus, sind frei von politischen, ethnischen und religiösen Überlegungen. In der Manege herrscht bis heute gegenseitige Toleranz und eine hoher Grad an Akzeptanz gegenüber der künstlerischen Leistung des anderen. Aus dieser Perspektive kann die Manege gleichsam als Metapher einer kosmopolitischen Gesinnung dienen. Zahlreiche Artistenplakate in der Ausstellung belegen diese multikulturelle Seite der Circuswelt.
Die Methodik von Ausstellung und Buch zielt auf eine Würdigung der circensischen 'Kunst- Productionen'. Es geht hier nicht darum, die Schattenseiten des Circuslebens, die es zweifellos gibt, in den Vordergrund zu stellen. Wichtiger war es uns, auf den anspruchsvollen Rahmen, die circusspezifische Ästhetik, auf die Höchstleistungen der Artistik, die enge Partnerschaft unter Akrobaten und auf den freundschaftlichen und sorgfältigen Umgang mit den Tieren hinzuweisen.
Hinter den Kulissen tragen vom Sattlermeister bis zum Requisiteur viele zum Gelingen eines Programms bei. Sie arbeiten wie die Artisten präzise und zuverlässig. Und sie wagen – wenn auch modern ausgestattet - die althergebrachte Lebensform des Gaukler- und Vagantentums. Der Circus ist auch heute noch eine Welt für sich.
Dr. Helmut Bauer
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
montags geschlossen.
Quelle: Münchner Stadtmuseum
Foto: © Münchner Stadtmuseum
Veranstaltungsdaten
Kartenpreise
4,00 EUR / 2,00 EUR (ermäßigt)
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