Weniger ist mehr - Sammlung Herman und Nicole Daled


Weniger ist mehr - Sammlung Herman und Nicole Daled

Bilder, Objekte, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled

"Je dÈteste le decor" ñ dieser Ausspruch von Herman Daled verdeutlicht seine Weigerung, Kunst an die Wand zu hängen und dadurch als Dekoration zu missbrauchen. Ab 1966 haben der Brüsseler Arzt Herman Daled (geb. 1930) und seine damalige Frau Nicole Verstraeten (geb. 1931; Juristin) eine Sammlung konzeptueller Kunst aufgebaut. Über den bloßen Ankauf hinaus ermöglicht das Paar den Künstlern, ihre Arbeit auch jenseits der gängigen Mechanismen des Marktes zu realisieren. Herman und Nicole Daled unterstützen Projekte, verlegen Publikationen oder zahlen den Künstlern ein Gehalt. Zu ihren Grundsätzen gehört: - niemals Werke von Künstlern kaufen, die bereits verstorben sind - niemals Werke auf dem sekundären Markt kaufen - niemals Werke wieder verkaufen. Die Anhäufung von Kunstwerken allein war nie das Ziel von Herman und Nicole Daled. Die Kunstwerke können als Überreste der aktiven Teilnahme des Paares an der regionalen und internationalen Kunstszene in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren verstanden werden.

Die Ausstellung konzentriert sich ausschliefllich auf die von 1966 bis 1978 angekauften Arbeiten. Sie wird nicht nur die Werke präsentieren, sondern darüber hinaus die Genese der Sammlung anhand von akribisch gesammelten und archivierten Dokumenten beschreiben, die Aktionen oder temporär ausgeführte Arbeiten belegen. Angeregt durch seinen damaligen Chef Dr. Albert Claude, ein Zellforscher und Medizinnobelpreisträger für den Herman Daled sechs Jahre gearbeitet hat, beginnt das Paar seinen Blick auf die zeitgenössische Kunst zu richten. Die Daleds entdecken Marcel Broodthaers Arbeit für sich und sind von seiner Persönlichkeit tief beeindruckt. Die Begegnung mit ihm führt zum ersten, für die weitere Entwicklung der Sammlung ausschlaggebenden Ankauf von dessen "Robe de Maria" (1966). Ihre wachsende Freundschaft öffnet ihnen den Zugang zum inneren Zirkel der Kunstszene dieser Epoche.

Broodthaers wird zur Schlüsselfigur und zum wichtigsten Künstler der Sammlung; von ihm sind allein an die 80 Werke in der Sammlung. Sein Werk gilt seit den 70er-Jahren in vieler Hinsicht als wegweisend: Er setzt Maßstäbe für eine Kunst, die ihre sozialen Bezüge mit einschließt und den Anspruch "souveräner Eigenständigkeit" von Kunst nicht aufgibt, sondern immer wieder neu erfindet.

Der Aufbau der Sammlung verläuft konzentrisch und wird durch die persönlichen Begegnungen und den Diskurs mit den Künstlern beeinflusst. Herman Daled vergleicht diese Vorgehensweise mit einem Jazzliebhaber, der sich nach und nach Schallplatten kauft. Das Jahr 1969 bringt wichtige Ausstellungen zur konzeptuellen Kunst, die zu Eckdaten für diese Bewegung werden und von den Daleds intensiv verfolgt werden. Dazu gehören "Op losse schroeven: situaties en cryptostructuren" im Stedelijk Museum, Amsterdam (März/April 1969), "When Attitudes Become Form. Works - Concepts - Processes - Situations - Information: Live in Your Head", Kunsthalle Bern u.a. (März/April 1969), und "Konzeption - Conception: Dokumentation einer heutigen Kunstrichtung", Städtisches Museum, Leverkusen (Oktober/November 1969). Die 1972 von Harald Szeemann kuratierte Documenta V führt schliefllich mit einer eigenen Abteilung zur "Weihe" (Herman Daled) der Konzeptkunst. Zeitgleich beobachten und besuchen die Daleds viele europäische und amerikanische Galerien, wie Konrad Fischer, Düsseldorf; Michael Werner, Köln; Art & Project, Amsterdam; Jack Wendler, London oder Leo Castelli, New York.

Herman Daled hebt hervor, dass sie zu dieser Zeit einer Bewegung gegenüberstanden, die noch nichts von ihrer späteren Bedeutung erkennen ließ. Es war die Phase, in der die Künstler ihre ersten kreativen Schritte taten.

Die Sammlung enthält u.v.a. Werkgruppen von Daniel Buren, Marcel Broodthaers, Hanne Darboven, Jan Dibbets, Robert Filliou, Dan Graham, Douglas Huebler, On Kawara, Sol LeWitt, Niele Toroni und Lawrence Weiner. Obwohl viele monografische und thematische Ausstellungen von Herman und Nicole Daled mit ihren Leihgaben unterstützt wurden, haben sie die Sammlung als solche bisher nie gezeigt. Die einzige umfassende Veröffentlichung erfolgte 2004 im Rahmen der Ausstellung "l'intime, le collectionneur derriËre la porte" im Pariser Maison Rouge in Form einer handgeschriebenen Werkliste, die auf einem Sockel präsentiert wurde.

Quelle: Haus der Kunst
Foto 1: Marcel Broodthaers Caquelon de Moules, 1968 © VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Foto 2: James Lee Byars, Robe pour 5 personnes Fabrics Various dimensions Daled Collection

Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag: 10:00 bis 20:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 bis 22:00 Uhr

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Weniger ist mehr - Sammlung Herman und Nicole Daled
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10,00 EUR / 7,00 EUR (ermäßigt)
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