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Palestrina - Oper von Hans Pfitzner


Palestrina - Oper von Hans Pfitzner

Von zwei Seiten wird der große Musiker Palestrina in die Zange genommen: sein junger Schüler findet seine Kompositionen altmodisch, die Musikgeschichte scheint ihn überholt zu haben – und der große Kardinal Borromeo will ihn zwingen, eine Messe zu schreiben, die die gespaltene Christenheit wieder durch die Kunst vereinen soll.

Palestrina entzieht sich all der Forderungen, und dennoch: Ihm gelingt der große Wurf. In nur einer Nacht komponiert er eine wahrhaft himmlische Messe. Die Klänge scheinen wie von einer anderen Welt. Und Pfitzners Partitur von „Palestrina“ – 1917 in München uraufgeführt – lässt ein letztes Mal in der Operngeschichte das Geheimnis des autonomen, genialischen Künstlers in der großen romantischen Tradition des 19. Jahrhunderts ungebrochen aufleben.

Mit deutschen Übertiteln

Neuinszenierung

1. Akt

Rom, im Wohnhaus des Komponisten Palestrina im Jahre 1563, kurz vor Abschluss des Trienter Konzils.

Seit dem Tod seiner Frau Lukrezia hat Palestrina, Kapellmeister von Santa Maria Maggiore in Rom, jeden Lebensmut und jede Inspiration verloren und ist in seiner Trauer gefangen. Sein Kompositionsschüler Silla würde gerne seinen Lehrer verlassen, um sich in Florenz der Camerata anzuschließen, die mit einem neuen Musikstil experimentiert. Ighino, Palestrinas Sohn, will ihn aus Sorge um seinen Vater davon abhalten. Silla versucht, Ighino mit seinem modern komponierten Liebeslied zu beeindrucken und aufzuheitern.

Kardinal Carlo Borromeo unterbricht – empört über die neumodischen Klänge – den Vortrag. Palestrina schickt Silla und Ighino fort und nimmt seinen Schüler dem Kardinal gegenüber in Schutz. Borromeo ist erstaunt über Palestrinas Toleranz gegenüber der modernen Art von Musik, insbesondere nachdem der Papst gefordert hat, alle Musik bis auf den Gregorianischen Choral aufgrund ihrer vermehrt weltlichen Ausrichtung aus der Liturgie zu verbannen. Mit Müh und Not habe er dem Papst einen Kompromiss abringen können: Wenn die Figuralmusik zu ihrer ursprünglichen Frömmigkeit zurück findet, so darf sie weiterhin während der Messe erklingen. Voraussetzung hierfür sei ein mustergültiges Werk, für das Palestrina als geeigneter Komponist ausgewählt wurde. Das Konzil von Trient, auf dem die römisch-katholische Kirche die Konsequenzen aus der Bedrohung der protestantisch häretischen Bewegung ziehen will, werde diese Frage behandeln und auf Grundlage von Palestrinas Messe entscheiden. Palestrina lehnt die Aufgabe ab: Nach dem Tod seiner Frau seien seine schöpferischen Kräfte geschwunden. Borromeo interpretiert Palestrinas Widerstand als ketzerische Auflehnung. Er droht Palestrina fatale Konsequenzen an, kann ihn aber nicht umstimmen.

Entmutigt hängt Palestrina seinen todessehnsüchtigen Gedanken nach und erinnert sich an die Zeit mit seiner Frau Lukrezia. Da erscheinen ihm verstorbene Meister der Tonkunst. Sie werfen ihm vor, er habe sein Erdenpensum noch nicht erfüllt und fordern ihn auf, endlich wieder eine Messe zu komponieren. Der Raum füllt sich mit Engelsgestalten, unter denen sich auch Lukrezia befindet. Palestrina beginnt, wie vom Gesang der Engel geführt, die Messe zu schreiben, und schläft dann ermattet ein.

Silla und Ighino finden am folgenden Morgen den erschöpften Palestrina und sammeln die Notenblätter auf.

2. Akt

Trient, Halle im Palast des Fürstbischofs Madruscht.

Die letzten Vorbereitungen für die Schlusssitzung des Trienter Konzils werden getroffen, mehrfach fällt die Parole „Schnell zum Schluss“. Die Kardinäle warten ungeduldig auf die Ankunft des päpstlichen Legaten und Vorsitzenden Giovanni Morone, der für Verhandlungen mit dem Kaiser nach Innsbruck gefahren war. Die Stimmung ist nervös und angespannt: Die kirchlichen und weltlichen Vertreter verschiedener Nationen haben sich noch nicht auf eine Beschlussordnung einigen können. Der Kardinallegat Novagerio erkundigt sich bei Borro meo über den Stand der Diskussion bezüglich der Reform der Kirchenmusik. Borromeo hat nach seinem erfolglosen Ansinnen Palestrina einsperren lassen, um ihn auf diesem Wege zum Schreiben der Messe zu bewegen. Novagerio drängt auf die Komposition der Messe und verweist Borromeo auf die Inquisition als weiteres Mittel, Palestrina zur Arbeit zu zwingen.

Morone trifft mit konkreten Vorschlägen des Kaisers ein, eröffnet die Versammlung und plädiert dafür, die nähere Ausfertigung der 42 kaiserlichen Propositionen dem Papst zu überlassen. Als ersten Punkt wollen die Konzilsteilnehmer über die Frage der Kirchenmusik entscheiden, doch ohne Probemesse ist keine Abstimmung möglich. Bei allen weiteren Punkten, unter anderem der Frage nach der Messe in der jeweiligen Landessprache und dem Laienkelch, erzielt die Versammlung keine Einigung. Nachdem Morone und andere Beteiligte bei den weiteren Beschlüssen immer wieder zur Eile mahnen, entbrennt ein Streit über die Aufgaben und die Freiheit des Konzils. Dabei treten auch private Machtkämpfe der Konzilsteilnehmer zu Tage, die Morone dazu veranlassen, die Versammlung aufzulösen.

Aus einem Streit der Konzilsteilnehmer entwickelt sich eine Schlägerei, die Kardinal Madruscht mit Hilfe des Einsatzes von Schusswaffen beenden lässt.

3. Akt

Rom, im Haus Palestrinas.

Ighino und mehrere Kapellsänger erwarten gemeinsam mit Palestrina das Ergebnis der Probeaufführung von dessen Messe, die soeben vor dem Papst und den Kardinälen gesungen wird. Ighino hatte diese den Verantwortlichen des Vatikans übergeben, um so die Befreiung seines Vaters zu erwirken.

Sänger der Päpstlichen Kapelle und Borromeo berichten von der erfolgreichen Aufführung vor dem Papst. Papst Pius IV. gratuliert Palestrina höchstpersönlich und ernennt ihn zum Leiter der Päpstlichen Kapelle. Borromeo bittet Palestrina für seine brutale Vorgehensweise um Verzeihung. Ighino läuft mit allen anderen hinaus, um auf der Straße mit den Jubelnden gemeinsam Palestrina als Retter der Musik zu feiern. Palestrina bleibt allein zurück.

Quelle: Bayerische Staatsoper
Foto: Wilfried Hösl

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9,00 bis 100,00 EUR zzgl. Gebühren
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