Der weiße Dampfer


Der weiße Dampfer

Er ist sieben Jahre alt und lebt bei seinem Großvater in der Försterei hoch in den Bergen über dem See Issyk-Kul in Kirgisien. Von seiner Mutter weiß er kaum etwas: Sie hat ihn dort oben gelassen, als sie in die große Stadt gezogen ist. Aber wo sein Vater ist, das weiß er genau. Auf dem weißen Dampfer, den er im Fernrohr erkennen kann. Dort arbeitet er als Matrose.

Der mächtigste Mann in der einsamen Försterei ist Oroskul, der Forstwart. Er trinkt zu viel und dann verliert er den Verstand und schlägt seine Frau, weil sie keine Kinder hat. Ohne Kinder ist das ganze Leben ein Unglück. Großvater Momun hat zwei Töchter. Die unglückliche Frau von Oroskul und die Mutter des Jungen. Für ihn sorgt er mit großer Liebe und Verantwortung. Er kauft ihm eine Schultasche, bringt ihn jeden Tag auf dem Pferd zum Unterricht und erzählt ihm Märchen. Ihr gemeinsames Lieblingsmärchen ist das Märchen von der Gehörnten Hirschmutter.

„Wie leicht kann man glücklich werden und einem anderen Glück bringen! So müsste man immer leben. Doch das Leben ist nicht so eingerichtet. Neben dem Glück lauert ständig das ewige, unablässig wiederkehrende Unglück, das einen verfolgt, das fortwährend in die Seele und in das Leben eindringt.“

Das Leben von Oroskul ist durchdrungen von Hass. Gegen den Großvater, gegen die Arbeit, gegen seine Frau, gegen sich selbst. In seinem Umfeld kann kein Glück lange halten. Selbst der Lastwagenfahrer Kulubek, der stärkste, kühnste und freundlichste Bursche kann den Jungen nicht schützen. Und so bleibt dem Jungen nur die Flucht zu seinem Vater auf dem weißen Dampfer: „Du bist weggeschwommen. Hast nicht auf Kulubek gewartet. Schade, dass du nicht gewartet hast. Warum bist du nicht auf der Landstraße gelaufen. Du hättest nur die Hand zu heben brauchen, und er hätte sofort angehalten. Er hätte dich in sein Fahrerhaus genommen. Und ihr wärt losgefahren. Du und Kulubek. Von vorneweg wäre die für niemand sichtbare Gehörnte Hirschmutter gesprengt. Aber du bist weggeschwommen.“

Ein großartiges kirgisisches Märchen über die magischen Kräfte der Natur und des Geschichten-Erzählens und die Fragen eines Jungen, die so groß sind wie die Fragen aller Jungen auf der ganzen Welt.

Spieldauer ca. 90 Minuten
Für Kinder ab 8 Jahren

Quelle: SchauBurg
Foto: Günter Mattei

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