Maß für Maß - Theater von William Shakespeare in den Münchner Kammerspiele
Wozu Gesetze? Statt mit der Last der Paragraphen leben die Bürger mit ihren Lastern und so lange sich keiner stört, kann jeder tun, was recht ist. Allerdings: wie viel Freiheit und wie viel ungezügeltes Leben kann ein Staat vertragen? Vienna droht Chaos und Untergang, denn die Stadt ist ein Sündenpfuhl, die Sitten sind verroht und die Moral ist im Eimer. Was tun? Die Stadt bräuchte einen Tugendwächter, der die Sittenlosigkeit rigoros bestraft, so wie es das Gesetz eigentlich vorsieht. Aber wer will unerbittliche Strenge gegen die Eigenart der menschlichen Natur anwenden? Viennas Herzog Vincentio jedenfalls ist ein nachsichtiger Herrscher, der den alten Gesetzen nicht traut, zu sehr ist er fasziniert vom Traum des freien Lebens und der individuellen Autonomie.
Daher braucht Vincentio zum einen Urlaub zum anderen einen Stellvertreter, der statt seiner die Sache regelt. Vincentio übergibt die Regierungsgeschäfte mit allen Vollmachten seinem Statthalter Angelo, der die untergehende Stadt wieder auf Kurs bringen soll. "Nicht tot war das Gesetz, geschlafen hat es nur. Jetzt ist das Gesetz erwacht", erklärt Moralapostel Angelo und säubert mit ungeahnter Energie die Stadt. Mit Stahlbesen wird die Sünde weggefegt, kein Bordell darf offen stehen und jegliches sexuelle Verlangen führt in die Katastrophe. Liebende, die nicht verheiratet sind, illegitim Kinder zeugen, verlieren den Kopf.
So soll es jedenfalls mit Claudio geschehen, der ein junges Mädchen geschwängert hat. Rettung verspricht nur Claudios strenge Schwester Isabella, eine Novizin, die im Nonnenkloster weilt und eigentlich Angelos Moralvorstellungen teilt. Der Anblick dieser "reinen Seele" erregt Tugendwächter Angelo derart heftig, dass er zum unmoralischen Händler wird und das Leben des Bruders gegen eine Nacht mit ihr zum Tausch vorschlägt. Isabella möchte ihren Bruder lieber sterben sehen, als ihre Unschuld in dieser verdorbenen Welt zu verlieren. Aber es gibt noch eine andere Lösung, die kennt ein zweifelhafter Mönch, der in Wahrheit Herzog Vincentio ist, der Angelos Treiben undercover beobachtet. Shakespeare erzählt in MASS für MASS von Stellvertretern und Stellvertretungen, von Moralvorstellungen, die er gleichzeitig beschwört und entwertet.
Regie Stefan Pucher 

Bühne Barbara Ehnes 

Kostüme Annabelle Witt 

Dramaturgie Matthias Günther 

Musik Marcel Blatti 

Video Chris Kondek
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